Am 7. Oktober 2015 fand im KOSMOS Berlin das Digital Science Match statt. Die Veranstaltung wurde initiiert und organisiert vom Berliner TAGESSPIEGEL in Kooperation mit der ZEIT.
Digital Science Match #Berlin jetzt fast voll. Bei dem Programm kein Wunder #sciencematch pic.twitter.com/A9ySsYuCq1
— Social Hub Bundestag (@socialhubBT) 7. Oktober 2015
Interessant erschien die Veranstaltung vorab natürlich einerseits wegen des Themas – Digitale Innovationen, vorgestellt von daran arbeitenden Wissenschaftlern -, sondern auch wegen des grundsätzlichen Konzepts: „Mehr als 100 Digitalforscher stellen in je drei Minuten vor, woran sie arbeiten.“ Fasse Dich kurz, hieß das Gebot der Stunde, und wurde, um es vorweg zu nehmen, auch weit überwiegend eingehalten. Vorab reizvoll war daran vor allem, dass man die Chance sah, in kürzester Zeit eine Vielzahl digitaler Projekte ansatzweise kennenzulernen – ja überhaupt erst mal zu erfahren, dass es sie gibt -, ohne stundenlang recherchieren zu müssen und dabei zwangsläufig doch nicht alle Projekte auf den Schirm zu bekommen. —
„Sie werden heute 100 Beamten bei der Arbeit zusehen.“ @SebastianTurner — Sophia Kuhl (@MissSophie_) 7. Oktober 2015
Eröffnet wurde das Match durch Sebastian Turner, den Herausgeber des TAGESSPIEGEL, der die Besucher sachlich, aber launig/humorvoll wissen ließ, wie es zu der Idee für diese Veranstaltung kam und wie effektiv das Match mit Unterstützung der Boston Consulting Group auf den Weg gebracht wurde. „Machen statt Reden“, so lassen sich die Ausführungen Turners ganz gut zusammenfassen.
Regierender Bürgermeister Müller: Auf dem Digital #sciencematch @SebastianTurner @tagesspiegel pic.twitter.com/ukIvtQRaXU — Tanja Buntrock (@ta_buntrock) 7. Oktober 2015
Im Anschluss daran erhielt der Regierende Bürgermeister Berlins, Michael Müller, Gelegenheit zu einem Grußwort, besser einer Keynote, in der er das Erfordernis, den digitalen Anschluss in Forschung und Wirtschaft nicht zu verlieren, allgemein und natürlich auch speziell bezogen auf den Standort Berlin in den Vordergrund stellte. Bemerkenswert war dabei u.a. ein Vorschlag, dessen politische Durchsetzbarkeit abzuwarten bleibt: Statt großer, jahrelang vorbereiteter und durch alle möglichen Gremien geleiteter Rahmenkonzepte solle man sich auf kleinere, schnellere und damit effektivere Planungen konzentrieren, mit denen man kurzfristig in die unmittelbare Umsetzung gehen könne. Eine sicherlich reizvolle Vorstellung, und man darf gespannt sein, wie er das in Berlin künftig umsetzen wird. Immerhin wurde ja schon mal angekündigt, dass bis Ende des Jahres ein Digitalkonzept für Berlin vorliegen soll (TAGESSPIEGEL vom 01.10.2015). — Nach dieser Eröffnung ging es mit dem Kurzvortrag von Gesche Joost – „Wearable Technologies – wir stricken das Internet der Dinge“ – unmittelbar in media res. Schlag auf Schlag referierten Professorinnen und Professoren in max. 3 Minuten zu ihren digitalen Themen. Die Uhr lief gnadenlos. Nach 2,5 Minuten wurde ein unüberhörbarer Räusperer eingespielt, und wer die 3 Minuten – was kaum vorkam – überzog, wurde freundlich „wegapplaudiert“, und schon kam der/die Nächste an die Reihe. Als „Belohnung“ für Zeitdisziplin erhielten alle ReferentInnen, die vor dem Räusperer zum Ende kamen, ein spezielles Lebkuchenherz mit der in Zucker gegossenen Aufschrift „I match Di“.
Für alle Profs, die #sciencematch unter 3min reden: @tagesspiegel @NanaPenelope @mannfrauundco pic.twitter.com/9svgRy7dr8 — Tanja Buntrock (@ta_buntrock) 7. Oktober 2015
Interessant war, was die Moderatoren der Veranstaltung mehrfach betonten: Die Inspiration, die man angesichts der Vielzahl und Vielfalt von Kurzpräsentationen zum Thema Digitales erhielt. Wer hätte z.B. gedacht, dass sich Wissenschaftler mit der digitalen Erfassung von alten Stoffmustern beschäftigen, die man beim Ausräumen eines Dachbodens vor dem Container gerettet hatte und heute zum Beispiel wertvolle Dienste bei der detailgetreuen Nachbildung von Vorhängen in historischen Räumlichkeiten leisten (Vortrag Nr. 53: „Stoffe ins Netz – Historische Stoffmuster gehen online“ – Prof.Dr. Dorothee Hafner, HTW, Gestaltung und Kultur, Museumskunde)?
Gegliedert war das Programm in 4 Sessions mit jeweils unterschiedlichen Leitthemen wie zum Beispiel Industry 4.0 oder Big Data. Durch die straffe Organisation geriet man als Besucher/Zuhörer nicht in die Versuchung, „abzuschalten“, denn es ging ja gerade nicht darum, langatmigen Referaten zu folgen, sondern eher um einen sehr kurzweiligen Crashkurs zum Thema „Digitales und Wissenschaft“. Man erwartete also minütlich Neues und Interessantes, und diese Erwartung wurde nicht enttäuscht. Gelegenheit zur Erholung bestand in den zeitlich gut geplanten Pausen, in denen nicht nur Gelegenheit zum Netzwerken bestand, sondern auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt war.
Auch wenn einen einzelne Themen naturgemäß vielleicht nicht brennend interessierten, gewährleistete die Vielfalt der behandelten Themen, dass letztlich für Jeden eine Reihe von unmittelbar interessierenden Kurzvorträgen dabei gewesen sein dürfte. Abgesehen davon ließen sich eine Reihe von vermittelten Ideen auch themenübergreifend verstehen, sodass man insgesamt nicht fertig wurde, sich Notizen zur weiterführenden Nachbearbeitung zu machen.
Fazit: Eine rundherum gelungene und wertvolle Veranstaltung, für die es sich lohnte, vom Bodensee anzureisen und einen 03.30 Uhr – 24.00 Uhr Marathon zu absolvieren.
Hier ein paar ergänzende Hinweise zur Veranstaltung:
Link zu den Referenten (mit Weiterverlinkung zu den einzelnen Profilen)
Twitter-Suche zu Hashtag #sciencematch
Veranstaltungsbericht TAGESSPIEGEL vom 07.10.2015
marktreif.berlin – Wirtschaft trifft Wissenschaft
Abschließend noch ein paar Gedanken zu Digital&Politik:
Die im Bundestag vertretenen Parteien haben sich das Thema „Digital“ ja ausnahmslos auf die Fahne geschreiben. Die CDU mit CDUdigital, die CSU mit BayernDigital, die SPD mit digitalLEBEN, die Grünen mit GrünDigital und die Linken mit DigitaleLinke. Bei allen Initiativen – so unterschiedlich sie motiviert und gestaltet sind – lässt sich beobachten, dass sie nach initialer Bekanntmachung und Veranstaltung medial (auch socialmedial) mehr oder weniger ausgeprägt in den Hintergrund treten, nachhaltige Aktivitäten mit sehr unterschiedlicher Intensität stattfinden und sie auch nicht unbedingt flächendeckend als ständige Institutionen wahrgenommen werden. Dennoch (oder gerade deshalb ?) überrascht es, dass soweit ersichtlich kein Bundespolitiker beim Science Match anwesend war und die Veranstaltung zum Beispiel im Kreis der Bundestagsabgeordneten kein Echo fand. Nicht so recht nachvollziehbar im Zeitalter von Themen wie Industrie 4.0, NSA, TTIP, Safe Harbor u.v.m., mit denen sich die Bundestagsabgeordneten Tag für Tag beschäftigen müssen. Auch Politiker hätten beim Digital Science Match ein paar wertvolle Anregungen mitnehmen können, da bin ich mir sicher. Denn Digital wird, soweit es nicht schon da ist, kommen. Dass es nicht nur aus den USA und Asien, sondern auch aus Europa/Deutschland kommen sollte und kann, hat die Veranstaltung deutlich gemacht und dürfen auch Politiker zur Kenntnis nehmen.